Frau K. und der Schweinebraten

Meine Mutter wollte einen Braten machen, aber der Metzger in unserem neuen Wohnort hatte ihr einen Eber angedreht. Das Fleisch lagerte außen auf der Küchenfensterbank, weil niemand wusste, wie man diesen stinkenden Brocken am besten entsorgen sollte, bis Nachbars Katze so laut schrie, dass die Nachbarin uns die Plastiktüte abnahm. Meine Mutter war erst fuchsteufelswild und weinte dann ein bißchen, aber vielleicht eher aus Heimweh.

Mein türkischer Ex nutzte Jahre später Schweinebraten als Provokationsmaterial und bestellte absichtlich bevorzugt Zwiebelrostbraten, wenn Tischnachbarn ihn wegen seines Bildungsstands für besonders exotisch hielten. Ich fand diese Angewohnheit eher neurotisch, aber hielt die Klappe, da ich nur normaler Student aber kein Bildungsinländer war.

Meine italienische Schwiegermutter war zu Besuch und ich machte Krustenbraten. Die Meisterin der ländlichen Hauswirtschaft, die mir auch die Knochen einpackte ohne zu fragen, sah mein ratloses Gesicht, errechnete anhand der Gästezahl die nötigen Kilos und schnitt mir ein perfektes Rautenmuster. Eine einheimische Kollegin, die besagter Meisterin lustigerweise ählich sah, riet mir, den Braten sobald er knusprig sei, mit Alufolie abzudecken, damit er nicht austrockne und auch nicht schwarz würde. Ich begann am Vorabend mit der Zubereitung diverser Kuchen, scheiterte an der Erklärung des Unterschieds zwischen einem Guglhupf und einer Ciambella, rührte eigenhändig Schokosahne an, die genauso wie Nutella schmeckte, und verbrachte vier Stunden des Sonntagsmorgens schwitzend über diversen Töpfen und Pfannen, während Krusti friedlich im Ofen brut. In Ermangelung eines Bräters verwendete ich eine tiefe Fettpfanne, die ich nie wieder sauber bekam. Den Bratensud kochte ich mit den Knochen auf, seihte ihn ab, pürierte, ergänzte ihm um einen Soßenlebkuchen und verzweifelte nahezu an der Konsistenz, die kurz vor Püree war, aber fernab jeglicher Bratensoße. Ich servierte den Schweinsbraten mit grünen Bohnen im Speckmantel als zweiten Gang, nach gefüllten Aurora-Pfannkuchen, die unter dem Braten kurz mit Mozarella überschmolzen worden waren, und vor einem kleinen handgeschnippelten Krautsalat. Ich war erledigt, die Wimperntusche verlaufen, mein Mann stolz wie Bolle und meine Schwiegermutter irritiert und ein bisschen geschmeichelt wegen des Aufwands. Meine beste Freundin war positiv überrascht und verkündete, ich sei nun tatsächlich in Bayern angekommen, obwohl ich weiterhin komisch reden würde. Mein Sohn  hatte vier Pfannkuchen verzehrt und machte sich nun über den Pseudo-Nutella-Kuchen  her. Es war surreal, nahezu perfekt und vollkommen unerwartet.

Frau K. kommt aus der Nähe von M. schreibt sehr gerne. Und Frau K. aus M. kocht sehr gerne. Und am liebsten schreibt Frau K. aus der nähe von M. übers Kochen. Leider traut sich Frau K. aus der nähe von M.  nicht selbst einen Blog zu erstellen und ihre Texte online zu stellen. Deswegen bekommt sie bei mir nun die Gelegenheit ihre Texte vorzustellen.

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1 Kommentar
  1. War gerade etwas irritiert. Das soll ‚mein‘ Llcurly gewesen sein, der das geschrieben hat? Mit türkischem Ex, Wimperntusche, Schwiegermutter und Rechtschreibung? Nee, nee, mein Freund, so nicht, dachte ich mir. Und sah nach. Ah, eine Gastautorin. Und was für eine!

    Liebe Frau K., es ist mir völlig egal, ob sie auch weiterhin bei dem netten jungen Mann hier Unterschlupf suchen, oder ob sie vielleicht doch mal was eigenes machen wollen, blogmäßig – Hauptsache, Sie lassen uns (zumindest: mich) daran teilhaben.

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